Korsika - ein Paradies für Paddler



„Geil, Flachköpper machen!!!“ ungefähr so hörten sich die Kommentare meiner nichtpaddelnden Freunde an, als diese hörten, dass wir einen Urlaub auf Korsika planten . Als dann jedoch klargestellt war, dass es auf die Insel zum Wildwasserpaddeln geht, wurden ihre Blicke nur skeptischer. Den meisten bemitleidenswerten, unwissenden Nichtpaddlern ist nicht bewusst, dass Korsika in den ersten Frühlingswochen eines jeden Jahres zu einem Mekka für Wildwasserpaddler und Outdoorsportler wird. In diesem kurzen Zeitfenster, fällt nämlich der Frühling mit teilweise sommerlichen Temperaturen auf der Mittelmeerinsel ein und bringt den Schnee in den korsischen Gebirgen, welche etwa 80% der Insel bedecken und aus ca. 50 Zweitausendern bestehen zum Schmelzen. So werden die sonst trockenen Flüsse und kleinen Bäche der Insel zu wahrhaften Wildwasserperlen. Dies ist der Grund, warum gerade über die Osterzeit eine Menge paddelnde Festlandeuropäer, zu denen auch wir gehören, auf Korsika wie die Wilden einfallen.

Obwohl der Frühling und damit das Tauwetter, dieses Jahr schon recht früh eingesetzt hat und dadurch die wirklich großen Hochwasser schon durch die korsischen Schluchten gedonnert sind, machten wir uns trotzdem mit zwei Bullis auf in Richtung Mittelmeer. Diese waren neben den obligatorischen Kajaks und der zugehörigen Wildwasserausrüstung auch mit Klettergerät und Skateboards beladen, um die Insel auf die verschiedensten Arten erkunden zu können.

Nach und nach steigt schon auf der Autobahn die Dichte der mit Kayaks beladenen Autos und man merkt schnell, dass man sich dem Ziel nährt. In Nizza angekommen und in der Warteschlange der Fähre verstärkt sich dieser Eindruck zunehmend. Das erste Abenteuer erlebten wir beim Beladen der Fähre. Wir durften unsere Bullis rückwärts in den Schlund der Fähre naviegieren und wurden von wild gestikulierenden und rufenden Mitarbeitern auf Französisch oder Iatalienisch oder Korsisch animiert in der richtigen Reihe zu parken.





Auf Korsika angekommen schlugen wir unser erstes Camp in Ernella direkt am Tavingano auf. Dieser führte nach unseren Informationen genug Wasser um sich ab der Mündung des Vecchios locker bis zum Campingplatz einzupaddeln, um darauf die eindrucksvolle Tavinganoschlucht zu paddeln. Die Strecken des Tavingano liegen im I-III Wildwasserbereich mit ein paar IVer Stellen. Aber gerade die Schlucht des Tavingano, welche der wohl anspruchsvollste Teilabschnitt des Flusses ist, besticht außerdem durch seine Schönheit. So verengt sich der sonst recht breite Fluss teilweise auf Paddelbreite und von links und rechts ragen die mächtigen Überhänge der Schluchtwände über die Paddlerköpfe. Die Tour endet damit, dass man unter einer Straßenbrücke die Fahrt beendet und sein Boot einen steilen Weg hoch zur Straße trägt. Da die Schlucht Strecke direkt an unserem Camp beginnt wurde diese in den folgenden Tagen noch häufiger befahren.

Der nächste wasserführende Fluss, der von unserem Camp gut erreichbar war, ist der Fium Orbo. Dieser ist ein schmaler kleiner Bach, der auf wenigen Kilometern recht viel Höhe abbaut und sich daher in kleinen Stufen Richtung Tal schlängelt. Der Einstieg der Defile De Strette befindet sich der Passstraße folgend in einer Linkskurve, die in der Osterzeit vor allem auch durch die vielen parkenden Paddlerfahrzeuge gekennzeichnet ist. Die Paddelstrecke selbst ist nur etwa 3km lang, verlangt aber durch die andauernde Verblockung und Schwierigkeit, gerade wenn man das erste Mal auf dem Abschnitt ist, seine Zeit. Hinzukommen ein paar markante Stellen, wie der Schlitz oder die Aphrodite, die man sich auf jeden Fall vom Ufer anschauen sollte und eventuell umtragen möchte. Der Fium Orbo ist auch bei Niedrigwasser ein anspruchsvoller und aber vor allem lohnender Bach.





Nachdem wir nun einige Tage gepaddelt sind, wollten wir auch einmal die Klettergebiete der Inselerkunden und fuhren dafür in das bei Corte gelegene Restonica-Tal. Auch die Restonica lässt sich wohl paddeln, hatte aber auf jeden Fall zu wenig Wasser und sah daher nicht sehr lohnend aus. Wir fuhren die enge Passstraße eine gewisse Zeit nach oben und folgten ab einer Parkbucht Kuhpfaden in den Berg, die zu einem Bouldergebiet führen sollten. Das Gebiet ließ sich nach einigen Irrwegen relativ schnell finden. Nach den wirklich schönen Blöcken, musste man aber etwas suchen, da die Felsen alle im Steilhang lagen und von Dornen umwuchert sind. Auf der Höhe eines Campingplatzes wird das Tal ein paarhundert Meter breiter und es lassen sich leichter freistehende Blöcke finden. Auch zeigten Chalkspuren an den Felsen, dass auch andere Klettergruppen dieses Gebiet aufsuchten.

Ab dem Campingplatz verengt sich die Talstraße weiter und führt zu einem großen Wanderparkplatz. Da aber ein Teil der Straße vor ein paar Tagen verschüttet wurde, war diese für Autofahrer gesperrt. Das kam uns aber auf die Weise entgegen, dass es dadurch eine wunderschön kurvige Straße ohne Verkehr wurde, die sich perfekt zum Longboarden eignete.





Nach ein paar Tagen in Ernella packten wir unser Camp zusammen und fuhren weiter nach Calvi, eine touristisch erschlossene Hafenstadt, im Nord-Westen der Insel. Wir hatten vorher recherchiert, dass dort viele Kletterfelsen direkt am Strand ein paar Meter vom Meer entfernt liegen sollten. Also konnte ein Teil unserer Gruppe Bouldern gehen, während der Rest am Stand lag, im Meer badete oder im Kajak auf dem Meer herumfuhr. Nachdem wir ein paar Tage auf diese Weise, verbracht hatten, wurde der Wunsch nach echtem Wildwasser aber wieder so groß, dass wir wieder unsere Sachen packten und uns auf den Weg zum Süden der Insel machten, um vor allem die, verschiedenen Abschnitte des Taravo zu paddeln, da dieser immer noch ausreichend Wasser führt, wenn es an den anderen Bächen schon knapp wird. Nach einer mehrstündigen, aber landschaftlich lohnenden Fahrt quer über die ganze Insel kamen wir an einem kleinen Campingplatz direkt am Meer an.

Dort fuhren wir mehrere Etappen des Taravo. Die meisten der Etappen zeichnen sich alle durch kontinuierliches Wildwasser im III. und IV. Schwierigkeitsgrad aus. Nur der Oberlauf des Taravo überschreitet den IV. Grad, braucht aber auch mehr Wasser als die übrigen Abschnitte. Auf der mittleren Etappe konnten wir alles, bis auf einen ca. 3 Meter Wasserfall, befahren. Trotzdem ist an manchen Stellen das Besichtigen ratsam. Im unteren Teil der Etappe wird das Tal des Taravo offener, so dass viele Stellen auch auf Sicht gefahren werden können. Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch noch die letzte Etappe des Taravos. Diese beginnt mit Wildwasser II, welches sich auf den letzten Kilometern zu Flachwasser wandelt, dafür kann man den Fluss aber durchgängig bis ins Meer Paddeln. Wir befuhren die Etappe, um dann noch auf dem Meer an der Küste entlang ein paar Kilometer zurück zum Campingplatz zu paddeln. Die letzten fünf Kilometer ungefähr, bevor der Fluss ins Mittelmeer mündete, führen vor allem durch Rinderwiesen. Nun scheint es in Korsika die Regel zu sein, dass die Landwirte ihre toten Rinder einfach in den nächstgelegenen Fluss werfen. Das führt dazu, dass auf diesem Abschnitt des Taravos in regelmäßigen Abständen tote Kühe in den Büschen und Bäumen des Flusses hängen. Da diese zum Teil schon im leicht verwesten Stadium, einen gewissen Geruch verströmen, birgt diese Etappe ganz andere Herausforderungen und der Wunsch nicht zu kentern wird mindestens genauso groß wie auf den vorherigen Wildwasserabschnitten. Aufgrund dieser nennen wir es mal „hygienischen“ Einschränkung, würden wir von einer Befahrung dieses Teils des Taravos abraten.





Nach diesen Tagen im Süden der Insel, ging die Osterzeit und damit auch unsere Ferien dem Ende entgegen und wir fuhren zurück nach Bastia, um unsere Fähre zurück zum Festland zu erreichen und die ca. 20 stündige Heimfahrt zu genießen, die sich aber auf jeden Fall gelohnt hat.

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